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Totes Holz im Schlosswald von Wächtersbach

Todholz im Wald

Unordnung im Wald oder Gutes für den Naturschutz?

 

Für viele Bürger ist liegengebliebenes Holz im Wald ein Zeichen für Verschwendung, oder gar ein Hinweis  für einen ungepflegten Wald. Ganz so einfach ist es aber nicht, man muss genauer hinschauen.

 

Als „Totholz“ bezeichnen die Förster abgestorbene Bäume oder auch Baumstümpfe und Äste im Wald. Der Begriff ist etwas irreführend, denn „unbelebt“ ist es beileibe nicht. Besser sollte man es daher „Biotopholz“ nennen. Über 1/3 aller im Wald lebenden Pflanzen-, Pilz- und Tierarten sind an Biotopholz gebunden. Vor nicht allzu langer Zeit wurden die Wälder von abgestorbenem Holz gründlich gesäubert. Brennholzbedarf, Angst vor Waldschädlingen und übertriebene Ordnungsgedanken waren meist der Hintergrund.

 

Heute weiß man, dass das Biotopholz eine wichtige Funktion in der Lebensgemeinschaft im Wald spielt und dass es eine Aufgabe der Förster ist, eine genügend große Menge davon im Wald zu belassen. Biotopholz ist auch nicht gleich Biotopholz. Man unterscheidet liegendes oder stehendes Totholz, dünnes und starkes, Laub- oder Nadelbiotopholz. Jede Sorte ist für andere Tierarten interessant.

In osteuropäischen Urwäldern wurden Biotopholzmengen von 50 bis 200 Kubikmeter je Hektar gemessen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass in der BRD im Wald durchschnittlich ca. 22 Kubikmeter Biotopholz zu finden sind. Das entspricht etwa der Fuhre eines Langholz-LKW´s. Die Forscher halten eine Menge von mindestens 20 Kubikmeter je Hektar für notwendig, um die seltenen Biotopholzbewohner erhalten zu können. Wichtig sind hier vor allem dicke Stämme als Biotopholz.

 

Ob ausreichend Biotopholz im Wald vorhanden ist, kann durch das Vorkommen von sogenannten „Leitarten“ bestimmt werden. Das sind empfindliche Tier- oder Pflanzenarten, die an das Vorkommen ausreichender Biotopholzmengen im Wald gebunden sind. Dazu gehören Spechte (z. B. der Mittelspecht), Käfer (z. B. der Hirschkäfer, Eremit oder Großer Eichenbock) und Pilzarten (vor allem Stachelbart und Schwefelporling).

 

All diese Erkenntnisse haben dazu geführt, dass im Staatswald in Hessen rund 10 % der Waldfläche aus der Nutzung genommen wurden. Das sind die „Kernflächen“ für den Naturschutz. Sie dienen zudem als Anschauungs- und Lernobjekt, wie sich der Wald ohne Eingriffe der Forstwirtschaft in unseren Breiten entwickelt.

 

Da eine Vernetzung dieser Naturschutzflächen wichtig ist, muss auch auf der übrigen Waldfläche ein genügend hoher Vorrat an Biotopholz vorhanden ein. Das genau kann man im Stadtwald am Schloss in Wächtersbach betrachten. Besonders wertvoll aus Sicht des Waldnaturschutzes sind dort die dicken, alten Eichen, die der letzte Sturm im Februar 2019 geworfen hat. Über einen langen Zeitraum wird aus dem Biotopholz letztlich wieder Humus und damit Nahrung für die Pflanzen im Wald. Der Kreislauf der Natur schließt sich.

 

Bürgermeister Andreas Weiher und der zuständige Mitarbeiter für Umwelt und Natur, Dr. Wolfgang Zikofsky, betonen ausdrücklich, dass die Stadt Wächtersbach mit den Ausführungen von Herrn Forstamtsleiter Jörg Winter, Hessen Forst, konform geht und den natürlichen Zustand des Stadtwaldes am Schloss erhalten will.