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Hochwasser und urbane Sturzfluten - Gefahren einschätzen und Folgen verringern

Wächtersbach, den 08.09.2020

Vor gut einem Jahr wurde die Innenstadt von Wächtersbach von einem Starkregenereignis getroffen, wie es hier vorher noch niemand registriert hat. Das Wasser schoss über ausgetrocknete Böden, ohne jegliche Versickerungsmöglichkeiten talabwärts. In förmlich reißenden Bächen ergoss sich das Wasser über die bewaldeten Stadtkuppen, über den Lindenplatz und die Ysenburgerstraße, bis es sich im Bereich des gesamten Bahnhofareals sammelte und ca. 60 cm hoch einpegelte. Viele Anwohner waren durch Hochwasserschäden betroffen. Der westliche Teil von Wächtersbach sowie Hesseldorf waren von diesem Regenereignis so gut wie gar nicht betroffen. Man kennt die Situation aus vielen Medienberichten. Unstrittig ist, dass diese Starkregenereignisse immer öfter, und vor allen Dingen ohne jede Vorhersehbarkeit eintreten. Unstrittig ist auch, dass der Klimawandel die Ursache für diese Starkregenereignisse ist.

 

Seit 20 Jahren wird das Kanalnetz der Stadt Wächtersbach durch regelmäßige Kanalbefahrungen gemäß Eigenkontrollverordnung Hessen (EKVO) überprüft und nach Schadensklassen beurteilt und saniert. Sanierungskonzepte liegen für alle Stadtteile vor. Die Hydraulik der Innenstadt wurde im Jahr 2018 neu berechnet. Für alle anderen Stadtteile werden die Berechnungen zurzeit aktualisiert. Die notwendigen Gelder werden jährlich in dem jeweiligen Haushalt eingeplant. Im Jahr 2020 werden rund 600.000 EUR für Kanalsanierungen ausgegeben (im Jahr 2019 waren es 400 T€).

„Darüber hinaus stehe ich in engem Kontakt mit dem Geschäftsführer des Wasserverbandes Main-Kinzig, Holger Scheffler, der mit seinem Fachteam den Hochwasserschutz im gesamten Kinzigtal plant und betreut. Man muss sich aber im Klaren sein, dass man hier über „Megaprojekte“ redet, die sehr viele Eigentums-, Planungs- und Bauleistungen nach sich ziehen, die politisch gewollt und letztendlich auch finanziert werden müssen“, erklärte Bürgermeister Andreas Weiher. Weiterhin stehe er in Kontakt mit Fachleuten von Hessen Forst, der Constantia Forst GmbH, um weitere Rückhaltebecken an geeigneten Stellen in den Wäldern auszuloten. Dass das Land Hessen im Bereich des Katastrophenschutzes nun mehrere sogenannte „Abrollcontainer Starkregen“ für die Feuerwehren in Hessen beschafft hat, spricht Bände, welche Anstrengungen unternommen werden, um die Folgen von Starkregenereignissen zu mildern. „Ich bin sehr froh, dass einer dieser Behälter bei der Feuerwehr Wächtersbach / Aufenau und damit am Gesamtstandort Wächtersbach platziert werden konnte und dass sich die Feuerwehrkameradinnen und -kameraden auch in diesem Bereich engagieren und fortgebildet haben“, so der Bürgermeister.

 

Bürgermeister Andreas Weiher, Bauamtsleiter Wolfgang Schmidt, Bauhofleiter René Kersten sowie einige Feuerwehrführungskräfte und Ortsvorsteher befassen sich seit Jahren mit dem Thema der Vorbeugung. So besuchte Bürgermeister Weiher im Jahr 2018 ein Symposium der Hessischen Landesregierung zu diesem Thema. Daher werden seit vielen Jahren lokale Ursachen gemindert bzw. Verbesserungsvorschläge umgesetzt, um Wasser von Siedlungen abzuleiten, und auch Kanalbaumaßnahmen durchgeführt. Grabenräumungen führen oft zu Konflikten mit Naturschutzaspekten, weil Kleinbiotope und Kleinsttiere bei einer Grabenräumung in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Fachingenieure aller Industrieländer beurteilen die Situation so, dass kein Kanalsystem der Welt die unvorhersehbaren großen Wassermassen geordnet ableiten kann. Eine Mitwirkungspflicht der Betroffenen ist daher im Wasserhaushaltsgesetz unter § 5 „allgemeine Sorgfaltspflicht“ verankert, d. h. jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, ist im Rahmen des Zumutbaren verpflichtet, auch selbst geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

 

Auch einzelne Bürger können hierzu einen einfachen, aber zielführenden Betrag leisten. Besonders die nicht ordnungsgemäße Entsorgung von Grünabfällen/Gartenabfällen haben zu Verstopfungen von Regeneinläufen/Rohrsystemen geführt. Auch die regelmäßige Reinigung der Straßen/Bürgersteige ist ein wichtiges Element, um die Wassereinläufe in den Straßen funktionsfähig zu halten. Durch die Stadt Wächtersbach werden jährlich mehrere Tausend Euro für die Reinigung und Instandhaltung der Regen-/Wassereinläufe aufgebracht.

 

Die Anstrengungen der Zukunft liegen darin, gemeinsam mit Fachleuten, ortskundigen Bürgerinnen und Bürgern weitere Möglichkeiten zu finden, um die Folgen von Hochwasser und Starkregenereignissen mildern zu können.

 

Foto: Lindenplatz Wächtersbach 2019