Kammersänger Manfred Schenk



Der weltberühmte Kammersänger Manfred Schenk verstarb am 13. Dezember 1999 im Alter von fast 70 Jahren (am 23. Januar 2000 wäre er 70 geworden). Ihm zum Gedenken hier einige Zeilen der städtischen Kulturbeauftragten Roswitha Maria Gerwin, so abgedruckt in der österreichischen Zeitschrift “Der neue Merker” die in einer Sonderausgabe ganz dem Künstler Manfred Schenk gedenkt:

 

“In memoriam Manfred Schenk”

“Gurnemanz’ auf der Bühne und im Leben
Manfred Schenk und Bayreuth – das war mir lange ein Begriff. Wer könnte seinen Gurnemanz je vergessen! Dass ich ihn jedoch persönlich kennen lernen sollte, hätte ich nicht gedacht. Als Manfred Schenk 1990 im Bayreuther “Parsifal” sang, mit Plácido Domingo als Parsifal und Waltraud Meyer als Kundry, die das Publikum zu rasendem Beifall hinrissen, hatte ich in Bayreuth ein Yoga- und Meditationsseminar zu geben, welches Frau Goda Schenk-Marwig besuchte. Zu meinem Thema “Der gewandelte Mensch” passend, zog ich damals Rückschlüsse zu Wagners “Parsifal” und kam dabei auch nicht am “Gurnemanz’ vorbei. Als mir Frau Schenk-Marwig mitteilte, dass ihr Mann auch persönlich hinter der Rolle stand, wurde ich sehr neugierig auf den Menschen Manfred Schenk. Nach dem 1. Akt geleitete mich Goda Schenk-Marwig hinter die Kulissen in die Künstlergarderobe. Ein ganz natürlich-warmherziger Mann kam in voller Größe umarmend auf mich zu. Der Bann war sofort gebrochen. Vom Zuschauerraum aus gesehen, sind die großen Künstler ja stets meilenweit entfernt. Kaum saßen wir in froher Runde zusammen, trällerte es – trotz Pause – auf den Festspielhausfluren, in unverkennbarer Weise, immer näher kommend, umher. Die Tür ging auf und Domingo kam in ebensolcher natürlichen Art, wie Manfred Schenk sie hat, umarmend auf uns zu. Es war schön zu sehen und zu hören, wie locker diese beiden Sänger miteinander umgingen und einander dennoch große Achtung entgegenbrachten. Nach der Vorstellung warteten die Begeisterten schon im Stamm-Restaurant auf ihren Lieblingssänger und klatschten großen Beifall, als Manfred Schenk den Raum betrat. Er nahm auch diese Honorierung freudig-gelassen hin und nickte jedem wohlwollend zu. Ich bin sehr dankbar, dass es bei dieser ersten Begegnung nicht geblieben ist; denn ich hatte noch manches Mal die Möglichkeit, den großen Sänger zu hören und ihn und auch seine Familie kennen zu lernen. Wir alle bangten bei seinem späteren Krankenhausaufenthalt mit seiner Frau um sein Leben und waren dem Schicksal dankbar, dass uns seine gewaltige Stimme erhalten geblieben ist. Als meine Mutter 80 Jahre alt wurde, überraschten wir sie mit Manfred Schenk, der ihre Lieblingslieder sang. Das halbe Sauerlanddörfchen schwärmt noch heute davon. Überhaupt begann nach seiner schweren Krankheit eine sehr fruchtbare neue Zeit auf der Bühne, die er zusammen mit seiner Frau Goda gestaltete. Sie, die Schauspielerin, rezitierte auswendig “inwendig” lange Balladen und Manfred Schenk sang Balladen, die teils auch auf CD erhalten geblieben sind. Als junge russische Künstler aus der Wächtersbacher Partnerstadt Troizk bei ihm eingeladen waren, kümmerte er sich neben der Gastfreundschaft auch als Lehrer um sie und machte ihnen Mut, weiter zu singen und zu spielen. Zu dieser Zeit war ich schon Kulturbeauftragte der Stadt Wächtersbach. Diese Stellung erhielt ich durch Vermittlung von Manfred Schenk und seiner Frau Goda, die auch damals kulturell mit dem Bürgermeister der Stadt Wächtersbach in gutem Kontakt standen. Einige Stunden vor seinem Tod übergab ich ihm einen Blumenstrauß und bedankte mich für alles, was er mir geschenkt hatte. Heute bin ich froh, dass mir diese Blumenübergabe noch möglich war – wie eine Vorahnung – und verneige mich in Ehrfurcht und Dankbarkeit.

 

Roswitha Maria Gerwin

Kammersänger Manfred Schenk war auf allen berühmten Bühnen der Welt in großen Bass-Partituren zuhause; davon alleine 12 Jahre Mitglied der Bayreuther Wagner-Festspiele.

Am 12. Juni 1998 wurde ihm von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt verliehen.

 

Die Stadt Wächtersbach ist besonders stolz, einem derart berühmten Künstler für fast ein Viertel Jahrhundert eine Heimat geboten zu haben. Ihm und seiner Frau Goda, die sich in seinem Geist weiterhin im kulturellen Bereich der Stadt Wächtersbach engagiert, sei auch an dieser Stelle herzlichst gedankt.